Aktuelles

Demokratie zum Frühstück

Wie das Demokratiefrühstück im Rosgartenmuseum Konstanz zum Nachdenken über Freiheit, Gefährdungen und bürgerschaftliches Engagement anregte.

Am diesjährigen bundesweiten „Tags der Demokratiegeschichte“, dem 18. März 2026, kamen rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger im Café des Rosgartenmuseum Konstanz zum „Demokratiefrühstück“ zusammen. Unter der Schirmherrschaft von Frank-Walter Steinmeier und initiiert von der Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ bot das Treffen Raum für Austausch und Reflexion über Zustand und Zukunft der Demokratie.

Eingeleitet wurde die Diskussion durch einen Impulsvortrag des Museumsdirektors Tobias Engelsing. Unter dem Leitgedanken „Was ist Demokratie und was können wir für sie tun?“ zeichnete er die historischen Grundlagen nach und verband sie mit aktuellen Herausforderungen. Dabei wurde deutlich: Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist keine Selbstverständlichkeit. Engelsing erinnerte an die Revolution von 1848, in der zentrale Freiheitsrechte wie Meinungs- und Vereinigungsfreiheit, Schutz der Privatsphäre, Eigentumsrechte, Gewaltenteilung und das Wahlrecht formuliert wurden – Prinzipien, die bis heute das Fundament demokratischer Gesellschaften bilden.

Gleichzeitig weitete sich der Blick auf die globale Lage. Demokratien stehen zunehmend unter Druck; nur etwa vier Prozent der Weltbevölkerung leben in stabilen demokratischen Systemen. Autoritäre und autokratische Regierungen gewinnen an Einfluss, während klassische Qualitätsmedien an Bedeutung verlieren und öffentliche Debatten sich zunehmend in digitale Teilöffentlichkeiten verlagern.

Zur Analyse dieser Entwicklungen wurde auf die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas Bezug genommen. Deren Kernidee – dass demokratische Meinungsbildung auf freiem, rationalem Diskurs basiert – erscheint heute gefährdet. Öffentliche Meinung wird verstärkt durch große Medienkonzerne und digitale Plattformen geprägt, die keiner demokratischen Legitimation unterliegen. Hinzu kommen Herausforderungen wie Desinformation, mangelnde Datensicherheit und Eingriffe in Kommunikationsstrukturen, die die politische Debattenkultur nachhaltig verändern.

Als konkrete Gefährdungen wurden auch gezielte Einflussnahmen auf den öffentlichen Diskurs, die Abkehr von faktenbasierter Information sowie die Bildung digitaler Echokammern benannt. Diese Entwicklungen untergraben nicht nur die Qualität politischer Entscheidungen, sondern auch das Vertrauen in demokratische Institutionen.

Die Diskussion beschränkte sich jedoch nicht auf Problemanalysen. Im Mittelpunkt standen ebenso Wege zur Stärkung der Demokratie. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle von Bildung: Demokratische Werte müssen aktiv vermittelt und das Verständnis für das Grundgesetz gefördert werden. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Kultur hervorgehoben, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und Menschen widerstandsfähiger gegenüber Krisen machen kann.

Zugleich wurde zu mehr gesellschaftlichem Engagement aufgerufen. Ehrenamt, zivilgesellschaftliche Initiativen und die aktive Beteiligung an politischen Diskussionen gelten als unverzichtbar für eine lebendige Demokratie. Eine „wehrhafte Demokratie“ bedeutet, Haltung zu zeigen, Missstände zu benennen und sich klar gegen antidemokratische Tendenzen zu positionieren – auch wenn dies mitunter unbequem ist.

Abschließend wurde ein aktuelles Zitat des Bundespräsidenten aufgegriffen, das die Dringlichkeit unterstrich: In einem Interview mit der ZEIT warnte Steinmeier davor, Extremisten durch Machtbeteiligung bändigen zu wollen – ein historisch widerlegter Irrweg.

Das Demokratiefrühstück im Rosgartenmuseum zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Räume des Austauschs sind – Orte, an denen Wissen, historische Perspektive und persönliche Verantwortung zusammenkommen. In einer Zeit wachsender Unsicherheiten wurde hier nicht nur über Demokratie gesprochen, sondern auch ein Stück gelebter demokratischer Kultur erfahrbar gemacht.

Schirmherr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Initiative: Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte
Kooperationspartner: AG Orte der Demokratiegeschichte


Traditioneller Narrenempfang im Rosgartenmuseum

Ostschweizer Besuch auf der Konstanzer Fasnacht: Die Appenzeller Alt-Landammänner Roland Inauen (li.) und Alfred Stricker (3.v.li.) besuchten mit dem Thurgauer Finanzminister Urs Martin (mit Hut), Alt-Regierungsrätin Monika Knill und dem früheren Fraktionschef der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, den traditionellen Narrenempfang im Rosgartenmuseum bei Museumschef Tobias Engelsing (vorne).

Bild: Oliver Hanser / Rosgartenmuseum


200 Jahre Fasching, Fasnacht und Karneval am Bodensee – Dokumentarfilm

Fasching, Fasnacht oder Karneval? Innerhalb der südwestdeutschen Fasnacht haben die Traditionen in der Dreiländerregion Bodensee ein starkes Eigenleben: Die Fasnacht hier ist historisch ein bunter Cocktail aus Habsburger Fasching, bürgerlich-liberaler Saalfasnacht und einer kräftigen Portion karnevalistischem Rheinland. Bis zur Revolution von 1848/49 begeistert sich das freiheitsgestimmte Bürgertum an satirischen Narrenspielen.

Beeinflusst vom wiederaufblühenden Kölner Karneval wird nach 1860 „Prinz Karneval“ zur Leitfigur. In deutschen und Schweizer Städten und Dörfern rund um den Bodensee werden prächtige Umzüge organisiert und rauschende Bälle gefeiert. Frauen dürfen zwar mitmachen, aber nur als Zierde männlicher Selbstdarstellung.

Im Deutschen Kaiserreich schlagen die kolonialbegeisterten Narren erstmals auch rassistische Töne an. Heute wird die Frage kontrovers diskutiert, ob „Indianer“, „Chinesen“ und Kostüme fremder Kulturen an Fasnacht und Karneval noch statthaft sind.

Während des Nationalsozialismus erweisen sich die deutschen Humoristen als erstaunlich anpassungsfähig: Terror und Verfolgung herrschen, doch die Narretei produziert unbeirrt gute Laune. Derweil spotten Schweizer Narren zuweilen mutig über die braunen Herrscher. Wenig überraschend, knüpfen Narrengesellschaften nach dem Ende von Diktatur, Krieg und Holocaust nahtlos an ihre Traditionen vor 1939 an.

Seit den 1950er Jahren erzielt vor allem die Bühnenfasnacht sensationelle Erfolge: Stars wie Karl Steuer und Helmut Faßnacht berühren die Menschen und machen die Narretei am Bodensee durch Radio- und Fernsehübertragungen weithin bekannt.

Die große Sonderausstellung, ein im Thorbecke Verlag erschienenes Begleitbuch und ein eigens produzierter Dokumentarfilm erzählen mit unbekannten Bildern, seltenen Relikten und Filmmaterial eine etwas andere Geschichte der Fasnacht: Berührend, spannend und mit kritischem Blick auf manche Selbstdarstellung der organisierten Narretei.

Der Dokumentarfilm ist im Rahmen der Sonderausstellung „Maskeraden – Als die Fasnacht noch Fasching hieß“ entstanden.

Die Ausstellung war vom 17.Mai 2025 bis 11. Januar 2026 im Richentalsaal im Kulturzentrum am Münster zu sehen.

Ein Film von Tobias Engelsing und Teresa Renn. Der Film ist auf dem Youtube-Kanal der Städtischen Museen zu sehen.

Um dieses Video zu sehen wird eine Verbindung zu YouTube aufgebaut. Wenn Sie fortfahren, akzeptieren Sie, dass Ihre IP Adresse zu YouTube übertragen wird und YouTube einen Cookie in Ihrem Browser anlegt.

YouTube Datenschutzerklärung


Was ist eigentlich die Rosgarten*Lounge?!

Die Rosgarten*Lounge des Rosgartenmuseums ist ein monatlicher Termin, der Afterwork, Lounge-Musik, Kulturgenuss und Cocktails in entspannter Atmosphäre vereint. Jeder Monat steht unter einem eigenen Motto – von Tanz über Lesung, Wortkunst, Führungen, Einblicke in künstlerische Werke und Techniken bis hin zu Livemusik ist alles dabei.

Die Rosgarten*Lounge ist Plattform für Kulturschaffende und Kulturinstitutionen.

Bei entspannter Lounge-Musik kann man an einem Freitagabend im Monat Leute treffen, Abschalten, Kulturimpulse genießen und ins Wochenende starten.

Das Museumscafé lädt mit Drinks zum Verweilen ein, während das Rosgartenmuseum zur Abendöffnung seine Türen öffnet – eine ideale Gelegenheit, Gemeinschaft, Kultur und Geschichte zu verbinden.

Während der Rosgarten*Lounge ist der Eintritt ins Rosgartenmuseum frei.

In diesem Kurzvideo findest du Informationen über die Rosgarten*Lounge.

Die nächste Rosgarten*Lounge findet am Freitag, 30. Januar 2026 ab 18 Uhr statt.

Rosgartenlounge rosgartenmuseum

Besuch der Museumsfreunde in der Suso-Bibliothek

Die Suso-Bibliothek ist die älteste Gymnasialbibliothek der Stadt Konstanz. Sie geht auf das Jahr 1604 zurück. Für die Museumsfreunde des Rosgartenmuseums öffnete Bibliothekar Hr. Rummler die Bibliothek und zeigte einige der Buchschätze.

In diesem Kurzvideo gibt es ein paar Eindrücke der Bibliothek.

Suso-Bibliothek Konstanz Buchregal Museumsfreunde Ausflug